SchülerInnen und Eltern entlasten. Notengebung aufheben. Intensives Förder- und Nachhilfeprogramm ermöglichen.

Leipzig, 07.06.2021: In allen sächsischen Landkreisen sind Schulen wieder geöffnet, fast überall ist ein Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen wieder gewährleistet.

Die Unterzeichnung des Freistaates Sachsen der Bund-Länder-Vereinbarung zum so genannten „Corona-Aufholprogramm“ lassen auf Entlastung und gezielte Förderung der durch den Schulausfall benachteiligten SchülerInnen aller Jahrgangsstufen hoffen. Eine mögliche Abschaffung der Maskenpflicht abhängig vom Inzidenzwert soll im sächsischen Landtag diskutiert werden und würde eine physische Entlastung von Kindern und Jugendlichen im Schulalltag bedeuten. Damit hat der Freistaat Sachsen erste Schritte unternommen, die durch die Corona-Pandemie bedingten Benachteiligungen für SchülerInnen abzufedern.

„Trotzdem darf nicht vergessen werden, welchem unglaublichen psychischen Druck die Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern in den vergangenen Monaten durch den Wechsel von Schulöffnung und Schließung, Präsenzunterricht und Home-Schooling ausgesetzt waren,“ sagt Dr. Steffi Töpfer, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen des Verbandes kinderreicher Familien Deutschland e. V. (KRFD). „Gerade in Mehrkindfamilien bedeutete dieser unbeständige Wechsel eine enorme Belastung. Zum einen mussten räumliche und technische Ressourcen zwischen mindestens fünf Personen geteilt werden. Zum anderen wurde die elterliche Fürsorgepflicht, hier im Bereich der Schulbildung, zwangsläufig unter dieser mehrmonatigen Dauerbelastung enorm überstrapaziert“, so Töpfer.

Von einem starken Zuwachs psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Laufe der Corona-Pandemie wurde in den vergangenen Wochen vielfach berichtet. Deshalb fordern wir als Landesverband Sachsen des KRFD, dass EntscheiderInnen im Kultusministerium deutlich den Druck für SchülerInnen und ihre Eltern minimieren:

- Die Notengebung muss bis zum Schuljahresende ausschließlich schulintern erfolgen, um den Leistungsstand der SchülerInnen zu ermitteln, ohne Kinder und Jugendliche in eine weitere Zwangslage, nämlich der Versagensangst angesichts der bevorstehenden Zeugnisnote, zu bringen.

- Lernstandserhebungen sowie die Wiederholung des Lernstoffes der vergangenen Monate müssen in den letzten Wochen dieses Schuljahres Vorrang haben. „Nach diesem Home-Schooling Marathon müssen Kinder und Jugendliche stabilisiert und neu motiviert werden. Es braucht eine gemeinschaftliche Anstrengung und wirklich solidarischen Zusammenhalt zwischen Lehrenden, Lernenden und Eltern und nicht zuletzt auch den Ämtern“ so Töpfer.

- Auf diesen schulinternen Lernstandserhebungen aufbauend, muss ab dem Schuljahr 2021/22 ein intensives Förder- und Nachhilfeprogramm bereitgestellt werden, in dem individuell auf die Lerndefizite der SchülerInnen eingegangen werden kann. So werden auch Eltern, die während der Corona-Monate für mehrere Schulkinder verantwortlich waren, bedeutend entlastet.

- Zwangsläufig müssen Lehrpläne auf wesentliche Lerninhalte reduziert werden.

- Ein freiwilliges Wiederholen der Jahrgangsstufe darf im Freistaat Sachsen in diesem und im kommenden Schuljahr nicht als Sitzenbleiben gelten.

Kinder brauchen Normalität - Eltern brauchen Solidarität

Mönchengladbach/Leipzig, 23.03.2021: „Kinder und Familien verfügen über keine finanzkräftige Lobby. Sie können weder mit Streik noch mit Entlassungen drohen. Deswegen bedürfen sie des besonderen Schutzes der politisch Verantwortlichen. Diesen Auftrag sieht auch das Grundgesetz, das die Familien unter „besonderen Schutz“ stellt“, sagt Dr. Steffi Töpfer, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen des Verbandes kinderreicher Familien Deutschland e. V. (KRFD).
 
Die aktuell beschlossenen neuerlichen Schulschließungen stellen viele Familien vor ernste Probleme. Einhellig bestätigen Fachleute, wie wichtig für Kinder Kontinuität und Verlässlichkeit sind. Insbesondere für Kinder mit besonderem Förderbedarf, für Schulanfänger und Kinder im Vorschulalter bedeuten ständige Wechsel in der Betreuung, permanent sich ändernde Vorgaben und Abläufe enormen Stress. Dies führt zu einer dauerhaften Destabilisierung in der seelischen und schulischen Entwicklung von Kindern, die in den Familien abgefedert werden muss und mit denen Eltern derzeit allein gelassen werden.
 
Es steht zu hoffen, dass die Verantwortlichen den Schritt der erneuten Schulschließungen ernsthaft erwogen und nicht leichtfertig darauf zurückgegriffen haben. Deshalb fordert der KRFD eine deutliche Ausweitung der Notbetreuung, damit Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf größtmögliche Routine und fachgerechte Förderung zuteil wird. Die Eltern können dies nicht dauerhaft abfedern. „Sie sind in ihrer Verantwortlichkeit allein gelassen, viele verzweifeln angesichts der für sie oft schwer lösbaren Aufgabe einer spezifischen Förderung“, so Landesvorsitzende Dr. Steffi Töpfer. Der Betrieb von Förderschulen, Kitas und Grundschulen muss gewährleistet werden genauso wie der Schulbesuch der weiterführenden Schulen.
 
Eltern brauchen Unterstützung durch größtmögliche und bedarfsnahe Betreuungsangebote. Die überaus eng gefassten Bedingungen für die Notbetreuung müssen erweitert werden und die familiären Bedürfnisse besser erfasst. Es geht um die Stabilität von Familien, die Vermeidung von Überlastung und den Schutz vor bleibenden Schäden bei Kindern und Eltern, so Töpfer. Bevor Schulen geschlossen werden, müsse ernsthaft auch für Grund- und Förderschulen der Wechselunterricht erwogen werden. Weiterführende Schulen müssen bei dem Modell des Wechselunterrichts offengehalten werden. „Der Erhalt zuverlässiger Alltagsabläufe und die Umsetzbarkeit in den Familien muss bei den Überlegungen handlungsleitend sein“, so Töpfer. Sie verweist dabei insbesondere auf den Alltag der Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern, die zwischen Hol- und Bringdiensten, Homeschooling und der eigenen Erwerbsarbeit zerrieben werden.
 
Im Sinne größtmöglicher Normalität und Sicherheit für Kinder und ErzieherInnen muss eine Test-Routine etabliert werden, die wöchentliche Tests sicherstellt und besondere Testintensität bei Bedarf selbstverständlich umsetzen kann.